BIG DAY am Ätna – beste Session seit 10 Jahren

Es war der 28.1.10 und ich alias “Flachländer” und weiter Anbeter von Kites, Wind und Schnee befanden sich beim gemütlichen Frühstück im Ätna Hotel auf 1980m. Alle waren ein wenig bedrückt, denn der vorhergesagte Wind mit 25 Knoten aus West, war nicht zu sehen. Ein paar Kaffee später fingen dann doch die Fahnen an sich zu bewegen und es kam Nervosität auf. Der Flachi blieb cool wie immer und bereite seine Sachen vor wie ein Uhrwerk. Der Rucksack wurde mit RedBull und Snacks, sowie Kites gestopft und es ging raus, währen die überforderten Totalflachländer noch die Hosen mit Jacken und umgekehrt verwechselten und vor lauter Mamamia nicht zu Potte kamen. 300m hinterm Hotel gab es Platz für den Kiteaufbauen zwischen den Felsen. 12er Manta raus und los. Der Wind blies vom Vulkan herunter und machte das Aufkreuzen gegen den Berg nicht gerade einfach. Besonders die ersten 300 Höhenmeter waren sehr tricky aber der Wind nahm stetig zu und irgendwann musste ich den Kite nur noch stellen und mich Schuss den Berg hochziehen lassen bis ich ca. 30min später an der oberen Skistation ankam. Der Wind hatte auf locker 20 – 25 Knoten aufgefrischt. Der 1m frische Powder gab genug halt um den 12er noch zu halten und ritze mir ein fettes Grinsen ins Gesicht. Noch nicht einmal der Skilift lief, aber wer braucht den schon, bei solchen Bedingungen?
Von der Skistation aus ging es dann Richtung Norden gegen den Wind weiter. Ich sah nach unten und konnte Chasta ausfindig machen, der gerade am Hotel loslegte. Ich musste aber weiter, denn der Gipfel rief und rauchte schon vor Wut, dass ich auf mich warten ließ. Also nichts wie hin, damit sich dieser wieder beruhigt, denn wer will schon, dass das scheiß Ding richtig wütend wird, denn dann wird’s heiß!

Knapp 1h nach dem Start stand ich oben und beruhigte den fauchenden Berg. 1300 Höhenmeter in weniger als einer Stunde uggggaaaaa! Also Kite in den Rucksack und wieder runter. Es stand einiges auf dem Programm an diesem Tag! Ich wollte sehen wie viel Höhenmeter man an so einem Big Day machen kann. 10.000m fand ich ja illusorisch aber einen Versuch wert. Auf dem Weg nach unten kam mir Chasta entgegen und ich sah Pascal und Stefano in der Höhe von der Skistation mit den 6er Access am klettern. Die würden wohl noch eine Weile brauchen mit den kleinen Dingern! Chasta und ich ballerten wieder zum Gipfel und tobten dort für ein paar Minuten bis die anderen schlussendlich kamen. Es wurde gefilmt und Photos geschossen und gespielt bis zum Siedepunkt.
Ich habe nicht gezählt wie oft ich den Kite Ab- und wieder Aufgebaut habe, aber es war bestimmt nicht weniger als 15mal! Gegen Nachmittag legte der Wind noch einen Tick zu und so konnte ich den 12er beruhigt im Sack lassen und den 8er auspacken. Selbst damit ging es noch Schuss bergauf, die Durchschnittsgeschwindigkeit von 21km/h kommt ja nicht von ungefähr! Hört sich vielleicht nicht viel an, aber macht das mal über einen 9 Std Tag verteilt!
Zum späten Nachmittag hin ließen wir uns dann auf das „Plateau“ knapp über dem Skilift „herab“, wo die anderen Totalflachländer am cruisen waren. Ich hatte schon höchsten Respekt vor ihnen, dass sie es alle bis dort hoch geschafft hatten, immerhin 600 Höhenmeter, vom Hotel, wunderte mich dann aber doch, warum sie dann nicht auch das einfachere Stück bis zum Gipfel wagten… Der Lift lief immer noch nicht, also der konnte es nicht gewesen sein. Am Abend erfuhr ich dann erst, dass sie mit dem Radtrack der „Carabinieri“ in die Höhe chauffiert wurden – hier ist der Beweis, es sind alle bestechlich ;)
Der Wind nahm immer noch stetig zu und erreichte am Abend bis an die 35 Knoten. Und das von unten Baumgrenze bis oben… ok vielleicht waren es schon 10 Knoten unterschied aber für die Höhendifferenz kaum Nennenswert. Als die Sonne sank und sich die Müdigkeit bei allen breit machte, war für den Flachländer noch lange nicht Schluss. Klar, es gab noch Licht, Wind und ein weiteres RedBull – und weiter geht’s…
Die ganze Italien Mafia fuhr ab ins Hotel, Chasta und Pascal hatte ich verloren und so fuhr ich noch einmal bis ganz runter ab um dann noch einmal auf den Gipfel zu schießen um diesen dann bei Sonnenuntergang abzufahren. Die Kulisse war der Oberporno für jeden Snowkiter! Der rauchende Vulkan direkt neben dir, 1500m tiefer eine geschlossene Wolkendecke in welcher die Sonne versankt. Wer’s jetzt nicht checkt, der checkt‘s nie! Checkst?!
Auf dem Weg nach unten sah ich auf einmal Chasta im Hang sitzen, der sich das beschriebene Szenario in aller Ruhe ansah. Ungläubig, Todmüde aber glücklich wie noch nie zogen wir uns das letzte Kapitel des heutigen Pornos voller Stolz rein. Auf dem weiteren Weg zum Hotel runter, holten wir noch „Telemark“ – Pascal ein, der wohl ebenfalls die Ruhe vor der Nacht irgendwo am Berg genoss.
Ohne Übertreibung und mit hundertprozentiger Sicherheit was das der BIGste Tag in meiner Kitekarriere. Diesen zu toppen wird wohl leider so schnell nicht möglich sein, aber man gibt ja immer sein bestes. Das GPS zeigte 112 gefahrene km, 10.335 Höhenmeter, Max Speed 81km/h, Durchschnittsgeschwindigkeit 21km/h, Zeit in Fahrt 5:33h, Pausenzeit 3:12h (dazu gehört einpacken, auspacken, Bilder machen, Video, also letztlich die Zeit, die man sich nicht vom Fleck bewegt hat. Richtig Pause habe ich nur 20 min gemacht)

Fazit vom Trip: 6 Tage dort davon konnten wir jeden Tag kiten. Montag bis Mittwoch war das Wetter zwar schlecht und es hat viel geschneit, aber es gab mal für einige Minuten ein paar Fenster, wo man Sicht hatte. Wind war eigentlich nie das Problem, den hat‘s dort immer. Sonntag (erster Tag aufm Gipfel) sowie Freitag (noch einmal bis zum Gipfel) waren auch BIG DAYs aber der Donnerstag hat eben alles in den Schatten gestellt!
Muss man das: Ja man muss da unbedingt hin! Der Vulkan ist riesig und bietet so viel Spielraum, das habe ich sonst noch nie an einem Berg erlebt! Es sollte aber genug Schnee liegen, damit die scharfen Lavasteine gut verdeckt sind. Ansonsten viel Material mitbringen zum schrotten!
Am besten man fliegt nach Catania am Fuße des Ätna. Von dort ist es eine knappe Stunde mit dem Auto bis Nicolosi Skigebiet auf der Südseite. Ein weiteres Skigebiet befindet sich auf der Nordseite.
Viele Infos unter www.chastadays.com, www.ozoneitalia.com
Bei weiteren Fragen helfe ich gerne weiter dom@snowkitecamps.com

ETNA summit from Boulgakow on Vimeo.

Chasta days , the movie(my vision from Etna) from Chastagnol Guillaume on Vimeo.

GPS Track

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